
Erst vor ein paar Jahren habe ich die alten Alien Filme gesehen, damit ich endlich auch mal beurteilen kann, wie diese Filme sind. Ich fand sie anfangs gar nicht so grandios. Irgendwann lernte ich sie jedoch zu schätzen, als ich den ersten Teil Jurassic World sah. Der im Gegensatz zu den ersten drei Teilen, von Jurassic Park, qualitativ deutlich abfiel.
Die Effekte, bei Alien, sind im Nachhinein grandios umgesetzt. Damals wurden aber auch einige Filme mit Maske und Figuren und viel Liebe realisiert. Die ersten Star Wars Teile arbeiteten noch mit gemalten Hintergründen und Modellen.
Da erscheint jeder Marvel-Film wie ein billiges Puppentheater. Nachdem ich einige Backstage-Szenen von Alien Romulus sah, war ich in freudiger Erwartung auf den Film. Nun ja. Er ist aus dem Alien-Franchise. Dies merkt man den Film auch an aber er hat nur das Design der Reihe. Der Spirit der ersten Teile geht leider vollkommen verloren.
Ohne viel zu spoilern möchte ich einige Beispiele nennen, warum gerade der neuste Ableger der Reihe (chronologisch nicht an letzter Stelle) keinen guten Alien-Film abgibt.
1. Die Charaktere
Wieder einmal kann ich mich mit keinen Haupt-oder Nebencharakteren identifizieren.
Rain möchte diesen gottlosen Planeten verlassen. Das ist noch verständlich. Dann wird sie überredet auf einem Schiff der passenden Alien-Film-Cooperation zu fliegen, um dann weiter zu reisen. Das ganze Unterfangen ist nur mit ihrem „Bruder“ machbar der ein Android ist und Zugang zum Weyland-Yutani-Schiff hat! Dies macht ihn, so gesehen, unersetzlich. Die Überredung diesen Plan durchzuziehen dauert keine fünf Minuten. Erst ist Rain strikt dagegen und dann doch dabei. Jede weitere Handlung zieht sich dann weiter, ohne das einen auch nur ein Charakter ans Herz wachsen kann oder gar die Motivation verstanden wird. Memo an mich selbst: Irgendwann werde ich einen Artikel über Charakterzeichnung schreiben. Das plane ich schon seit Jahren.
Eine kurze Erklärung: Warum macht ein Charakter das, was der Charakter macht? Egal ob Protagonist oder Antagonist: ich möchte es nachvollziehen können. Hier verfolgen alle ihre Rolle und es bleibt unklar, was die Schwächen und Stärken der einzelnen Figuren sind. Das Problem wird dann umso schwieriger, da hier eine KI und das Alien die Antagonisten sind. Das reine „Böse“ ohne Hintergrund bleibt hier eindimensional. Schade!
2. Braucht man Sauerstoff oder nicht?
Was Realismus angeht bei Sci-Fi-Filmen bin ich meist nicht streng, Raumschiffe können im luftleeren Raum Geräusche und Schubdüsen können auch ordentlich Krach machen. Die Schwerkraft darf, für mich, vorhanden sein oder auch nicht. Sofern die Logik an sich schlüssig ist, bin ich fein damit.
Bei Alien Romulus ist es jedoch anders. Das Thema Sauerstoff spielt in einigen Szenen gar keine Rolle, Frachtluken werden geöffnet ohne das ein Sauerstoffabfall stattfindet.
Auf dem Planeten (am Anfang) gibt es anscheinend Sauerstoff und Erdanziehung. Sauerstoff und
Wind scheinen in keinem Verhältnis zu stehen. Das wäre gar nicht problematisch, wenn in einer anderen Szene (Achtung Spoiler!) das Thema Sauerstoff nicht so explizit inszeniert worden wäre.
Eine Protagonistin ist in einem Bereich, in dem es offensichtlich keinen Sauerstoff gibt. Sie gelangt mit Müh und Not in einem Raumanzug und schafft es zu überleben. Dafür, dass es vorher keine
Kontinuität gab, kann man diese (zugegeben spannende Szene) leider nicht ganz ernst nehmen. Da fehlt dann leider die Logik.
3. Keine Angst vor den Alien(s)
Jeder ist verschieden. Jeder hat unterschiedliche Wahrnehmungen. Die eine Person hat Angst vor
Szenen mit Puppen (Annabel), eine andere Person hat Angst, wenn in Filmen viel Blut oder
Spritzen zu sehen sind (Saw-Reihe). Ich finde teilweise Bücher gruseliger als Filme, da ich mir Szenen manchmal schlimmer ausmale als man sie in Filmen sieht. Horror oder „Grusel“ hat
für mich immer eine wichtige Komponente: Die Komponente der Unsichtbarkeit. Das, was im
Verborgenen darauf wartet zum Vorschein zu kommen. Man hört erst die Schritte des T-Rex´ bevor man ihn sieht (Jurassic Park). Man sieht Michael Meyers erst nicht, bevor er hinter dir steht
(Halloween). Man weiß, dass etwas in der Kanalisation lauert aber es dauert, bis es sichtbar
wird (Es). Genau dieses Gefühl habe ich bei Alien aus dem Jahr 1979. Man hat ein Alien und man sieht im ganzen Film genau dieses eine Alien nur vier Minuten im gesamten Film. Wir reden hier von VIER! Minuten! Die Szenen sind so aufgebaut, dass die Spannung natürlich vorhanden ist. Anschließend folgt die Entspannung.
Genau das macht Alien Romulus nicht. Es folgt schnelle Action und es gibt mehrere Aliens, die angreifen. Es wird alles beliebig, es wird schon fast inflationär genutzt, dass es mehrere Aliens gibt und die Dauerspannung hinterlässt eine Ermüdung, zumindest bei mir. Welcher Alien folgt jetzt? Welchen Korridor müssen die Protagonisten jetzt entlang rennen, um zu entkommen? Ihr könnt es euch Vorstellen. Das ist alles andere als spannend. Leider ist auch im Bereich des Horrors dieser Film ein Horror.
Schade, dass die Chance verpasst wurde auf alte Tugenden zu setzen. Das Fazit ist für mich: weniger wäre mehr gewesen.
